Schellen-Ursli aus den Schweizer Alpen

Der Schellen-Ursli, ein kleiner Engadiner Bauernbub, lebt mit seinen Eltern im Engadiner Dörfchen Guarda. Einen Tag vor Chalandamarz besucht er mit den anderen Buben vom Dorf Onkel Gian, der einem jeden eine Glocke gibt, eine schöner als die andere. Mit diesen sollen die bösen Wintergeister vertrieben und der Frühling eingeläutet werden. Als der Ursli an die Reihe kommt, erhält er die letzte Glocke, was ja nicht das Schlimmste wäre, wäre sie nicht so klein, die Kleinste von allen! Alle lachen den Ursli aus, der nun bittere Tränen weint. Allein und von einer Idee getrieben, stampft er durch tiefen Schnee zum Maiensäss seiner Familie. Denn dort hängt eine grosse Glocke, die er sich für den Umzug holen will....

 

Der Brauch: Chalandamarz

Im Ober- und Unterengadin, im Val Müstair, im Bergell ("Calendimarzo"), im Puschlav ("Pupocc da marz") sowie im Oberhalbstein hält man an einem uralten, wahrscheinlich bis in die Antike zurückgehenden Frühlingsbrauch, dem Chalandamarz fest. Am 1. März begrüsst die bunt kostümierte Schuljugend mit Schellengeläut und Peitschenknallen die bessere Jahreszeit. Dieses symbolische Verjagen der winterlichen Dämonen hat sich am ursprünglichsten im Oberengadin erhalten. Hier findet in den einzelnen Dörfern am Morgen und zum Teil auch noch am Nachmittag ein Umzug statt, wo sechs Knaben einen bekränzten Schlitten ziehen, in dem die kostümierten und schellenschwingenden Winteraustreiber sitzen. Vor einzelnen Häusern wird angehalten und gesungen, und man sammelt Geschenke ein.

Rund um den Schellen-Ursli

 

 

Schellen-Ursli in Gold

Die Eidgenössische Münzstätte Swissmint gab am 26. Mai 2011 die Goldmünze „Schellen-Ursli“ heraus. Sie würdigt damit das Werk des Bündner Malers und Grafikers Alois Carigiet. Die Sonderprägung hat einen Nennwert von 50 Schweizer Franken und ist in limitierter Auflage erhältlich bei Banken, Münzenhändlern und unter www.swissmint.ch. Mit dem Erlös aus dem Verkauf der Münze, dem Prägegewinn, unterstützt der Bund kulturelle Projekte in der ganzen Schweiz.

Weitere Informationen

 

Alois Carigiet (30. Aug. 1902 - 01. Mai 1985)

Der durch die Illustration des im Jahre 1945 erschienen Kinderbuches "Schellen-Ursli" weltberühmt gewordene Bündner Maler kam in Trun zur Welt, wo auch ein Museum ihm gewidmet ist.

Mehr zu Alois Carigiet

 

Permanente Ausstellung Alois Carigiet im Museum Cuort Ligia Grischa. Mehr zur Ausstellung

Selina Chönz (4. Okt. 1910 - 17. Februar 2000)

Selina Chönz wurde in Samedan geboren. Ihr bekanntestes Werk ist der Schellenursli. Sie absolvierte in Bern eine Ausbildung zur Kindergärtnerin. Nach längeren Sprachaufenthaltem in Lausanne und Oxford kehrte sie ins Engadin zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg veröffentlichte sie das über eine Million Mal verkaufte Buch des Schellenurslis. Danach folgten die Geschichte von Flurina und weitere Werke.

Uorsin war die Originalversion des Schellenurslis, verfasst auf Oberengadiner Romanisch. Während mehreren Jahren drängte eine Freundin von Selina Chönz den Schweizer Künstler Alois Carigiet, das Buch zu bebildern. Nach anfänglichem Zögern entstand eines der berühmtesten Schweizer Bilderbücher jener Zeit. Mehrere Werke, getextet von Selina Chönz und illustriert durch Alois Carigiet, folgten.


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